Ja, die liebe Trotzphase unserer Kinder kann uns ganz schön auf Trab halten. Eigentlich gibt es ständig Phasen 😉 Gut, die sogenannte Autonomiephase dauert dann doch nicht nur 1 Jahr (wie ich früher dachte, als ich kinderlos war), sondern geht bis zum sechsten Lebensjahr.
Wir haben bei unserem Jüngsten, bei unserem Sohn, aktuell die Phase: alles alleine!
Also vorab: Ich freue mich natürlich, dass er diese wichtigen Entwicklungsschritte macht, ganz klar. Ich bin sehr glücklich, wenn er stolz etwas geschafft hat, was er sich vorgenommen hat, und ich versuche, ihn in jeder Situation zu unterstützen und zu begleiten, auch wenn er mal etwas nicht schafft. Aber es kann wirklich herausfordernd sein. So auch im letzten Urlaub.
Beispiel Nr. 1: das Abendessen mit Buffet
Endlich am Eingang des Restaurants angekommen, beginnt der Geschwisterstreit, wer die Zimmerkarte dem Mitarbeiter am Empfang des Restaurants zum Einscannen geben darf.
Ein lautes „Ich will aber, ich will aber“ von beiden Kindern lässt den Mitarbeiter groß aufsehen. Aber Gott sei Dank konnte ich ihn dann jeden Abend mit einem Lächeln überzeugen, dass beide immer die Karte einscannen dürfen. Ich glaube, der Mitarbeiter war dann nach dem dritten Tag doch schon etwas genervt. Aber gut … es geht zum Tisch.
Der Babystuhl
Unser Sohn möchte einen Babystuhl, weil die ja so toll aussehen und man auch höher sitzt. Aber es muss ein blauer sein. Der Blaue steht natürlich, nicht wie die Weißen, 30 Meter weit weg. Aber gut, ich hole den blauen.
Endlich haben sich alle hingesetzt und etwas zu trinken bestellt. Dann geht es auch schon los: Das Essen für die Kinder kommt natürlich als Erstes dran.
Ich stehe auf, nachdem wir besprochen haben, wer auf was Lust hat, was zu essen. Natürlich möchten beide Kinder gleichzeitig mit. Mein Mann begleitet heute unsere Tochter, ich unseren Sohn.
Das Buffet
Ich will alleine, Mama! Sagt er mir, als wir vor den Tellern stehen. Uff, dachte ich mir. Ich verstehe ihn und gebe ihm einen Teller. „Bitte halte ihn fest“, höre ich mich sagen und überlege gleichzeitig, wie ich mit ihm den Buffet-Besuch meistere, ohne dass der Teller zu Bruch geht.
Er kann natürlich auch noch nicht über den Buffetrand schauen, was es alles zu essen gibt, also hebe ich ihn überall hoch, so dass er sich alles anschauen kann.
„Ich möchte Pommes und Hühnchen“, sagt er mir ganz klar. Nicht auch Gemüse? frage ich ihn und versuche, mir gleichzeitig schon Gemüse auf den Teller zu machen, was ich ihm dann natürlich heimlich noch am Tisch auf den Teller legen kann.
Ich will das alleine machen, Mama!
Ok. Kind hochheben, Teller platzieren, Löffel oder Zange in die Hand geben und hoffen, dass die Pommes auf dem Teller landen. Puh, geschafft. Und so geht es dann weiter, bis wir endlich wieder am Tisch landen.
Und natürlich kann ich nicht so einfach alleine aufstehen und mich am Buffet bedienen gehen, denn das ist ja hochspannend, wenn Mama dorthin geht, und ich höre wieder den Satz: „Mama, ich mach das!“
Ja, so ereignisreich kann dann doch so ein Abendessen mit Buffet sein, wer kennt es nicht.
Beispiel Nr. 2: der Spind und sein Schlüssel
Wir waren auf einem Kindergeburtstag und unser Kleiner wollte seine Schuhe an einem Kinderparadies in ein vorgesehenes Fach eines Spindschrankes deponieren. Hört sich einfach an, aber so ein Spindschrank lässt sich nicht immer einfach öffnen, schon gar nicht für ein Kleinkind. Mein Sohn hat es nicht geschafft, diesen Schrank zu öffnen, also wollte ich ihm helfen. Zudem war er müde und aufgeregt. Es folgte ein Wutanfall in Kombination mit einem Schreianfall und Tränen flossen über sein Gesicht. Ich habe und habe ihn versucht, zu beruhigen, aber es half nichts. Selbst die Mutter des Geburtstagskindes konnte nichts ausrichten und so saß ich da 15 min und versuchte, ihn zu beruhigen. Nichts half. Das war sehr schwer, und in mir machte sich eine Verzweiflung breit (zumal ich auch dringend auf die Toilette musste). Diese Situationen finde ich unfassbar schwer. Der Moment, in dem du wirklich nicht weiterweißt und alles, was du tust, nicht hilft. Plötzlich kam eine Mitarbeiterin und wollte ihm mit dem Schlüssel helfen. Er wollte auf meinen Arm und sagte der Mitarbeiterin: „Nein, Mama macht das!!!“ Immer noch unter Tränen.
Wir haben es geschafft, zusammen den Schlüssel umzudrehen, und genauso schnell, wie die Emotionen kamen, war auch plötzlich alles wieder vorbei.
Ja, die kleinsten Situationen, mit denen man sicher nicht rechnet, können unfassbar viel auslösen, und wir können nur versuchen, ruhig zu bleiben und unser Kind zu verstehen und in diesen Situationen zu begleiten, auch wenn dies eine absolute Herausforderung darstellt. Wir wachsen und lernen gemeinsam, als Familie.
Astrid Lindgren hat schöne Zitate zu diesem Thema geschrieben:
„Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war.“
Und aus Sicht des Kleinkindes:
„Hilf mir, es selbst zu tun!“